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Die Sache mit dem barmherzigen Samariter…


Es ist so eine Sache, die Mitmenschlichkeit! Vor allem, wenn man sich sagt: „was geht das mich an?“ Und dann noch den wienerischen Zusatz anbringt „ich will meine Ruh haben!“

Wegschauen entwickelt sich in unseren Breiten immer mehr zu einer Kunst, die perfektioniert wird. Passiert was, ist die erste Reaktion: wegschauen! Live erlebt, als es bei einer Rolltreppe zu einem Unfall kam, laut geschrieen wurde und eine Mutter ihrem 5 jährigen Sohn sofort wegzog und anschrie: schau weg, schau weg!

Wer ist mein Nächster? Diese Frage kommt auch im Evangelium vor, als ein seriöser Schriftgelehrter wohl ernsthaft die Frage an den Mann aus Nazareth heranträgt und eine tragende Antwort für sein Leben erwartet. Jesus bringt eine Geschichte, jene Episode die als der barmherzige Samariter auch bei kirchlich Fernstehenden durchaus präsent ist. Ein Mann, so erzählt er, wird zusammen geschlagen und bleibt schwer verletzt liegen. Unwegsame, gefährliche Gegend. Was passiert? Ein Priester kommt vorbei, sieht den Mann, geht weiter. „Nur nicht anstreifen, vielleicht eine Falle, wenn ich helfe“ – so mag er denken. Ein weiterer Kleriker geht ebenso vorbei. Dann kommt ein Ausländer. Er bleibt stehen, hilft dem Verletzten, bringt ihn in eine Herberge und Zahlt seine Versorgung. – Jesu Frage am Ende: wer hat sich als Nächster des Betroffenen also gezeigt? Antwort: der Ausländer.

Frage an mich: wo bin ich der Nächste in meinem Leben? Wo gilt wegschauen nicht?

Erzbischof Desmond Tutu von Capetown, Südafrika, Friedensnobelpreisträger und weltweit geachtete Persönlichkeit hat einmal den Ausdruck ubuntu aus seiner Kultur in die Spiritualität eingebracht. ubuntu bedeutet so viel wie das Wesen der Menschlichkeit und schließt in sich ein, dass alle Menschen zusammengehören und letztlich eine große Familie sind.

In seinem Buch believe schreibt Tutu dazu:
„In dieser Grundeinstellung sind zwei wesentliche Aspekte enthalten. Zum einen ist ein von ubuntu geprägter Mensch freundlich, großzügig, fürsorglich und mitfühlend. Er ist jemand, der seine Stärken für andere – die Schwachen, Armen, Kranken – einsetzt und niemanden übervorteilt. Letztlich behandelt er andere so, wie er selbst behandelt werden möchte. Dabei kommt auch der zweite Aspekt des Ideals zum Tragen: Offenheit und Grosherzigkeit. Dieser Menschen gibt das weiter, was ihm selbst widerfahren ist, und weckt somit auch bei anderen Menschlichkeit und schafft eine enge Verbindung.

Menschen mit ubuntu sind zugänglich und entgegenkommend. Sie fühlen sich vom Guten in anderen nicht bedroht, da siech ihre Selbstachtung aus dem Bewusstsein speist, zu einem größeren Ganzen zu gehören. Descartes berühmter Satz ich denke, also bin ich müsste laut ihrer Überzeugung heißen: Ich bin Mensch, weil ich dazugehöre. Oder anders gesagt: Ein Mensch ist Mensch durch andere Menschen. Denn es gibt niemanden, der perfekt auf die Welt kommt. Ohne unsere Mitmenschen können wir nicht denken, laufen und sprechen lernen und unsere Verhaltensweisen weiter entwickeln. Unser Menschsein beruht darauf, dass wir von anderen Menschen umgeben sind. Der einzelne, abgeschottete Mensch ist daher auch ein Widerspruch in sich…

Laut dem Prinzip des ubuntu sind jedoch diejenigen, die andre zu vernichten und zu entmenschlichen suchen, zugleich selbst Opfer – meist Opfer … einer pervertierten religiösen Überzeugung. Folglich entmenschlichen sie sich selbst ebenso sehr wie diejenigen, die sie mit Füssen treten.“

Gedanken, die es wohl wert sind, in Ruhe überdacht zu werden.

Wer ist also mein Nächster?